Rechtsstreitigkeiten um Cocktailnamen, Brennblasen aus Holz, ein Rum als
Staatsfinanzierung und eine Legende, die sich als Brandy entpuppt.
Der Engelsanteil ist tropisch dreimal so hoch
In Schottland verdunsten pro Jahr rund 2 % des Fassinhalts. In der Karibik sind es 6 bis 10 %. Nach zehn Jahren ist ein tropisches Fass oft zu zwei Dritteln leer. Deshalb entspricht ein karibischer 12-Jähriger reifetechnisch grob einem schottischen 30-Jährigen — und deshalb sind hohe Altersangaben aus der Karibik so selten und so teuer.
Ein Rum, den keine Fluglinie transportiert
Der Rivers Royale Grenadian von River Antoine kommt mit 69 bis 75 % vol in die Flasche. Alles über 70 % gilt im Luftverkehr als Gefahrgut. Der Sunset Very Strong aus St. Vincent liegt mit 84,5 % noch deutlich darüber.
Nelsons Blut war Brandy
Die Legende, Nelsons Leichnam sei nach Trafalgar in einem Rumfass konserviert und der Rum unterwegs von der Mannschaft ausgetrunken worden, hält sich hartnäckig. Tatsächlich wurde der Körper in Brandy eingelegt. Der Ausdruck "Nelson's Blood" für Navy-Rum blieb trotzdem.
Cocktailnamen als Markenrecht
Dark 'n' Stormy gehört Gosling's, Painkiller gehört Pusser's. Beide Unternehmen setzen ihre Marken vor Gericht durch. 2011 verlor eine New Yorker Bar namens Painkiller den Rechtsstreit und musste sich umbenennen.
Rum als Staatsfinanzierung
Die US-Bundessteuer auf Rum fließt zum größten Teil an Puerto Rico und die US-Jungferninseln zurück — der "Rum Cover-over". Diese Rückflüsse bewegen sich in dreistelliger Millionenhöhe pro Jahr und wurden 2012 zum Standortargument: Diageo verlegte die Captain-Morgan-Produktion von Puerto Rico nach St. Croix.
Der heimliche Zucker
Viele Rums enthalten nachträglich zugesetzten Zucker, oft 10 bis 40 Gramm pro Liter. Weil das Etikett dazu nichts sagen muss, entstand die Transparenzdebatte erst, als das schwedische Systembolaget begann, Restzuckerwerte zu veröffentlichen. Herkunftsregeln wie die von Jamaika oder Martinique verbieten den Zusatz — andere erlauben ihn ausdrücklich.
Die letzten Holzbrennblasen der Welt
Als in Guyana die Plantagenbrennereien schlossen, wurden ihre hölzernen Brennapparate abgebaut, transportiert und in der Diamond Distillery wieder aufgebaut. Die Port Mourant Double Wooden Pot Still arbeitet in ihrer Grundform seit dem 18. Jahrhundert. Ein technisches Verfahren, das es weltweit nur noch an diesem einen Ort gibt.
Die teuerste geschlossene Brennerei
Caroni auf Trinidad wurde 2003 stillgelegt. Zehn Jahre später entdeckten italienische Abfüller die vergessenen Fässer. Heute erzielen einzelne Caroni-Flaschen vierstellige Beträge — für einen Rum, den niemand mehr herstellen kann.
Splice the mainbrace
Der Befehl für eine außerordentliche Extraration existiert bis heute. Er darf nur vom Monarchen, von Mitgliedern des Königshauses oder in seltenen Fällen von der Admiralität erteilt werden — zuletzt etwa bei Krönungen und Thronjubiläen.
Die Fledermaus für Analphabeten
Als Facundo Bacardí 1862 seine Brennerei kaufte, nisteten Fledermäuse im Dach. Seine Frau schlug das Tier als Zeichen vor: In einer Zeit, in der ein großer Teil der Kundschaft nicht lesen konnte, war ein wiedererkennbares Bild wertvoller als ein Name.